Cloud Computing© Sergey Nivens - Fotolia.com

Bis vor knapp 15 Jahren war Deutschland noch vollkommen wolkenfrei. Erst im neuen Jahrtausend entdeckten auch deutsche Unternehmen das volle Potenzial von Cloud Computing & Co. Vor allem die Akzeptanz sowie die Nutzung von Cloud-Anwendungen verzeichnen ein Rekordwachstum. Doch was verbirgt sich unter dem Begriff der Wolke eigentlich, und ist Cloud wirklich so smart wie viele denken?

Was ist Cloud Computing?

Fast jeder ist schon einmal über die Cloud gestolpert. Der Begriff scheint allgegenwärtig zu sein, doch was steckt genau dahinter? Sucht man nach einer allgemeingültigen Definition, wird schnell klar, dass die Erklärungen oft variieren. In Fachkreisen wird gerne die Definition der US-amerikanischen Standardisierungsstelle NIST (National Institute of Standards and Technology) herangezogen: Cloud Computing ist ein Modell, das es erlaubt bei Bedarf, jederzeit und überall bequem über ein Netz auf einen geteilten Pool von konfigurierbaren Rechnerressourcen (z. B. Netze, Server, Speichersysteme, Anwendungen und Dienste) zuzugreifen, die schnell und mit minimalem Managementaufwand oder geringer Serviceprovider-Interaktion zur Verfügung gestellt werden können.

Anders ausgedrückt ermöglicht die Cloud den Unternehmen, ihre Daten an einem nicht lokal installierten Rechner oder Netzwerk zu speichern oder auf Anwendungen und Services zuzugreifen, welche in der metaphorischen „Wolke“ liegen. Die auf der Cloud basierenden Anwendungen, Services oder dort abgelegten Daten können also von überall aus aufgerufen und genutzt werden. Ob CRM, ERP oder Officeprogramme – die Zahl der Applikationen, welche cloudbasiert genutzt werden können, ist immens. Besonders der beliebten, alten Telefonanlage wird mit Cloud- sowie Unfied Communications-Lösungen entgegen getreten.

Die Vorteile von Cloud Computing kurz vorgestellt:

  • Keinerlei Wartungs- oder Verwaltungsaufwand erforderlich
  • Unendlich große Speicherkapazität von Daten
  • Globale Nutzung von cloudbasierenden Anwendungen und Services – Voraussetzung: eine Internetverbindung

Besonders mit Blick auf die Entwicklung der Arbeitswelt lohnt es sich, diese Aspekte näher ins Auge zu fassen. Der Ort der Arbeit wird immer flexibler. Neue Arbeitsplatzkonzepte, wie Homeoffice oder Vernetztes Arbeiten, halten Einzug in die Unternehmen. Besonders für Arbeitnehmer, welche mobil arbeiten, ist Cloud Computing nicht nur hilfreich, sondern oftmals Bedingung für einen produktiven Workflow.

Cloud ist nicht gleich Cloud

Hybrid Private Public Cloud© Thomas Jansa - Fotolia.com

Wer bis hierhin gelesen hat, ahnt es bereits: Die Welt ist nicht immer so einfach gestrickt, wie sie im ersten Augenblick erscheint. In Bezug auf unser Thema heißt das: wir müssen zwischen den verschiedenen Cloud-Liefermodellen sowie -Servicemodellen unterscheiden.

Die Public Cloud – das schwarze Schaf in der Branche

IT-Infrastruktur und Cloud-Services für die breite Öffentlichkeit – das ist die Public Cloud, die besonders in Deutschland aufgrund von Sicherheitsbedenken und NSA-Affären an Popularität deutlich eingebüßt hat.

Fazit: Unternehmen meiden sie, Privatnutzer verwenden sie täglich. Dabei sind es besonders KMUs, welche aufgrund der fehlenden Investitionskosten sowie einem flexiblen Bezahlsystem (pay-as-you-go) davon profitieren können.

Private Cloud – Wir züchten unsere eigene Wolke

Ein eigenes Intranet, gebaut als eigene kleine Wolke. Manch einer mag jetzt an alten Wein in neuen Schläuchen denken und hat Recht damit. Dedizierte Server mit Hilfe von Virtualisierung hatten den gleichen Nutzen, allerdings mit weniger Sicherheit und höheren Kosten bei der Skalierbarkeit.

Hybrid Cloud – Das Beste aus beidem

Individualität wird bei der Hybrid Cloud groß geschrieben. Teile der Infrastruktur können lokal vorliegen und gleichzeitig Services von Cloud-Anbietern bezogen werden. Die Bedürfnisse der Nutzer stehen dabei klar im Vordergrund.

Community Cloud – Der Gemeinschafts-Gedanke

Möchte man die Vorteile von Public Cloud-Angeboten nutzen und dennoch wissen, welcher Nachbar den Serverplatz neben einem belegt, dem kann zur Community Cloud geraten werden. Kosten können so trotz der örtlichen Verteilung der Unternehmen gleichmäßig zugewiesen werden. Bisheriger Nutzerkreis: Vor allem Behörden, Universitäten, Genossenschaften etc.

Was hätten Sie denn gern? IaaS, PaaS oder SaaS?

Die verschiedenen Service-Modelle möchten wir Ihnen natürlich nicht verschweigen. So können Sie zwischen IaaS – Infrastructure as a Service, PaaS – Platform as a Service oder SaaS – Software as a Service sowie in letzter Zeit XaaS – Everything as a Service wählen. Der Umfang der einzelnen Modelle kann sich je nach Anbieter noch einmal unterschiedlich gestalten. Zudem werden Sie für eine vollständige Private Cloud nicht ohne Infrastruktur auskommen können. Je nach Bedarf sollte also geschaut werden, inwieweit Liefer- und Servicemodelle miteinander in Einklang gebracht werden können.

  • Bei IaaS wird Ihnen die Infrastruktur frei Haus geliefert und Sie gestalten Ihr Rechnernetzwerk vollkommen eigenständig. Installation, Wartung und Aktualisierung von Software obliegt Ihrer IT-Abteilung.
  • PaaS bietet dem Unternehmen eine Plattform zur Entwicklung und Ausführung eigener Softwareanwendungen. Der Service-Provider stellt dabei die Plattform zur Verfügung und unterhält diese. Laufzeiten sind zunehmend flexibel und die Kostenpunkte monatlich skalierbar.
  • Mit SaaS ist man in der Welt des techniklosen Unternehmens angekommen, jedenfalls lokal. Denn alle Softwareanwendungen sowie die Infrastruktur werden direkt vom Service-Provider angeboten und individuell abgerechnet. Eigene Ressourcen für Wartung, Updates etc. gehören so der Vergangenheit an.
  • Am Rande sei noch der Begriff XaaS erwähnt, welcher sich in den letzten Jahren gesondert von den drei Hauptmodellen entwickelt hat. Er bezeichnet weitere Modelle, wie Humans as a Service (HuaaS), bei dem die Ressource „Mensch“ für Dienstleistungen bereitgestellt wird sowie High Performance Computing as a Service (HPCaaS) und Landscape as a Service (LaaS).

Der Trend geht zu „Made in Germany“

Fast die Hälfte (44%) der deutschen Unternehmen setzt bereits Cloud-Services erfolgreich ein und ist laut einer KPMG- und BITKOM-Studie zu 78% zufrieden mit den Leistungen. In Unternehmen ab 500 Mitarbeitern gehört die Nutzung von Cloud-Services zum absoluten Standard, der Mittelstand hat allerdings noch einigen Nachholbedarf.

Momentan nutzen lediglich 41% der Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern die Vorteile des Cloud Computings. So sind es oftmals Sicherheitsbedenken, welche einem noch steileren Wachstum im Wege stehen. So befürchten knapp 60% der Unternehmen einen unbefugten Zugriff auf ihre Daten und für 40% sind rechtliche Unsicherheiten ein ausschlaggebender Grund, der Technologie den Rücken zu kehren.

Cloud-Anbieter aus Deutschland haben das allerdings erkannt und werben mit dem Siegel „Made in Germany“ zunehmend um die Gunst des Kunden. Sensible Daten liegen in deutschen Hochsicherheitszentren, welche wiederum deutschem Recht unterliegen. Ein Zugriff von außen sowie Cyberattacken können somit weitestgehend ausgeschlossen werden.

Detlev Artelt

Detlev Artelt

Detlev Artelt - CEO, Senior-Consultant, Blogger und Unified Communications & Collaborations Experte. Als Kommunikationsarchitekt und Technologie-Berater seit über 25 Jahren für einen besseren Kundenservice aktiv.

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2 Kommentare
  1. Lieber Detlev,

    mein Kommentar hat jetzt weniger mit der Wolke zu tun als mit dem Ausdruck „made in Germany“: Ich finde, dass deutsche Webseiten viel mehr spammige Eigenschaften aufweisen als zum Beispiel amerikanische Webseiten. Oft öffnen sich neue Browserfenster und ich finde massenhaft Werbung, wenn ich meinen Computer herunterfahre – Werbung, die ich niemals anschauen würde.

    „Made in Germany“ bedeutet für mich im IT-Bereich außerdem schwierig zu bedienende Masken. Wenn man die Benutzerfreundlichkeit von Xing und LinkedIn vergleicht, liegt LinkedIn meilenweit vorn. Außerdem belästigt es mich weniger als Xing, das mir ständig die Pro-Mitgliedschaft aufdrücken will.

    „Made in Germany“ ist für mich in diesem Bereich kein Pluspunkt.

    • Hallo Kornelia,

      Danke für Deinen Kommentar den ich kurz kommentieren möchte.

      Made in Germany mag jeder für sich deuten und im
      Bereich der Cloud Lösungen steht es u.a. für den Datenschutz wie es im
      Schlusssatz des Artikel beschrieben wird.

      „Sensible Daten liegen in deutschen Hochsicherheitszentren, welche wiederum deutschem Recht unterliegen. Ein Zugriff von außen sowie Cyberattacken können somit weitestgehend ausgeschlossen werden.“

      Im Rahmen der vielen Gespräche die wir zu Cloud und Datenschutz führen, spiegelt dies die Anforderungen vieler Kunden.

      Viele Grüße
      Detlev Artelt

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