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Die Digitalisierung und die daraus resultierenden Technologien fordern auch ein Umdenken in der Unternehmenskommunikation. Auf einmal soll alles umgestellt und digital werden. Dabei gibt es „doch noch Menschen, die haben so ein Telefon gerne in der Hand, mit einem Hörer so wie früher“, erzählt Lars Dietrichkeit von Innovaphone im Interview auf der CeBIT 2017. „Und wenn die das denn dann nutzen wollen, dann sollen sie das doch tun!“

Menschen abholen

Die Herausforderung der Digitalisierung liegt vor allem darin, die Mitarbeiter abzuholen, denn man kann Kulturen und auch Technologien nicht vorschreiben. Jedoch werden die neuen Technologien, die aus der digitalen Revolution entstehen, immer notwendiger. „Im Zeitalter der Digitalisierung muss man schlichtweg auch anders arbeiten, als es die klassischen Kulturen, die wir hier in Deutschland üblicherweise etabliert haben, zulassen“, so Lars Dietrichkeit. Es ist notwendig, „die Technik zu nutzen, aber nur in dem Maß wie ich sie denn am Mitarbeiter auch gebrauchen kann“, stellt auch Detlev Artelt fest.

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Jeder ist und arbeitet anders und so gibt es auch in einem Unternehmen meist die Mitarbeiter, die weiterhin wie früher auf ihrem Hardwaretelefon angerufen werden wollen. Daneben gibt es aber auch die Kollegen, die gerne alle Tools auf ihrem Smartphone vereint haben möchten. Fakt ist: um effizient arbeiten zu können, benötigt es das Gespräch. Die Kunst liegt nun darin, beide Wege der Telekommunikation, den analogen und den digitalen, miteinander zu vereinen. Lars Dietrichkeit erklärt die dazu genutzte Technik: Wenn man einen Kollegen anruft und dieser sein Hardwaretelefon in die Hand nimmt, kann der Anrufer selbst von seinem Computer aus ein Videobild auf dem Bildschirm seines Kollegen aktivieren. „Und dann kann ich sagen, Gisela schau da mal hin, ich habe dir da mal gerade“ die passende Datei geöffnet. „Wir versuchen diese Technologie so zu bauen, dass wir jeden abholen können.“

Never change a running System?

Natürlich sind die ganzen neuen Technologien der digitalen Revolution am effektivsten, wenn sie auch von allen Beteiligten genutzt werden. Ein geeigneter Weg dorthin kann das Coaching durch die eigenen Mitarbeiter sein: „Die Jüngeren sind immer offener für Chatthemen“, erzählt Lars Dietrichkeit „und wenn die dann sagen, ‚du, Joachim, kann ich dir das mal kurz zeigen, wenn du da klicken würdest und da, dann könnten wir sofort miteinander chatten, superschnell, kannst du auch mit mir machen, wenn ich telefoniere’“. Am gelebten Beispiel einen Mehrwert aufzeigen regt die Mitarbeiter dazu an, die Technik nach und nach tatsächlich zu nutzen.

Weitere spannende Informationen finden Sie im kompletten Interview mit Lars Dietrichkeit von der CeBIT 2017:

Selbstverantwortung und Selbstbestimmung

Bei Mitarbeiter betreffenden Veränderungen im Unternehmen geht es heutzutage jedoch nicht nur darum, die Arbeit dahingehend zu verändern, neue Technologien zu benutzen, sondern auch um die Anpassung der Art und Weise, wie gearbeitet wird. Selbstverantwortung und Selbstbestimmung sind hier zentrale Begriffe. Doch wie viel Freiheit am Arbeitsplatz ist sinnvoll?

Auch diese Themen sind, genau wie der Gebrauch der neuesten Technologien, sehr mitarbeiterspezifisch. „Viele Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht, mit sehr vielen, und wie ich finde sehr guten Initiativen“ berichtet Ursula Vranken im Interview auf der CeBIT. Für die Selbstverantwortung und Selbstbestimmung werde viel experimentiert. „Das Wort experimentieren ist da auch ein ganz gutes Wort, das bedeutet, dass nicht alles für alle gleichermaßen gilt“, erklärt Ursula Vranken. „Ich muss natürlich auch tatsächlich gucken, wo endet Freiheit in Überforderung.“

„Wir haben da eine gute Mischung in den Unternehmen“, berichtet Ursula Vranken. Auf der einen Seite stehen Mitarbeiter, die gar nicht so viele Freiheiten haben wollen. Diese Mitarbeiter wollen nicht „ständig den großen Entrepreneur spielen“. Auf der anderen Seite stehen jene Kollegen, die es gar nicht mehr abwarten können, sich frei in ihrer Arbeit entfalten zu können.

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Können, dürfen, wollen

Eine solche Arbeitsweise überhaupt wahrzunehmen, erfordert jedoch einfache Prozesse. „Es macht wenig Sinn in zwei Wochen Workshop Design Thinking eine Welt aufzubauen, in der wahnsinnig viel Kreativität und Freiheit herrscht, und dann gehen wir zurück an unseren Arbeitsplatz und wenn ich dann einen neuen Hefter oder so brauche, für drei Euro, muss ich erst ein dreitägiges Genehmigungsverfahren bei mir im Einkauf hinterlegen“, erzählt Ursula Vranken. Es gilt, das Dreieck aus Können, Dürfen und Wollen im Gleichgewicht zu halten.

Das Wollen sei zum Teil auch eine Abbildung des Dürfens, berichtet Bodo Antonic im Interview auf der CeBIT nach seinen eigenen Erfahrungen. „Wenn du 40 Jahre lang den Deckel drauf hast, dann verkümmert das Wollen. Während wenn du den Deckel nach und nach aufmachst, sodass sich quasi das Ich des Einzelnen oder der Organisation entfalten kann, der Mensch genau in diesen Freiraum, dem ich ihm gebe, hineindiffundiert.“ Kleine Experimentierräume geben hier die Möglichkeit, Schritt für Schritt die neuen Freiheiten auch effektiv zu nutzen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie im vollständigen Interview mit Ursula Vranken und Bodo Antonic von der CeBIT 2017:

Youtube LogoViele weitere Interviews von der CeBIT 2017 finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Einfach Online Arbeiten.

Michelle Morsume

Michelle Morsume

Studentin im Fach Communication and Multimedia Design an der FH Aachen und Praktikantin bei aixvox

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